{"id":345,"date":"2011-06-18T10:22:33","date_gmt":"2011-06-18T10:22:33","guid":{"rendered":"http:\/\/goodbye.zaploink.org\/blog\/?p=345"},"modified":"2011-08-10T15:14:38","modified_gmt":"2011-08-10T15:14:38","slug":"iterum-iterumque-evropa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/goodbye.zaploink.org\/blog\/archive\/345","title":{"rendered":"Iterum iterumque&#8230; EVROPA!"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"Genua, Mysin-Spi und...\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/5856664379\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"   \" src=\"http:\/\/farm6.static.flickr.com\/5307\/5856664379_8c23bc9773.jpg\" alt=\"Mysin out!\" width=\"300\" height=\"400\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Hier wird gerade das Mysinsegel gesetzt (dahinter Mysin-Spinnaker und Genua).<\/p><\/div>\n<p>WARNUNG: Dieser Bericht enth\u00e4lt viele grandios klingende Seglerbegriffe und tendiert deshalb dazu, bei Lesern, die mit der Terminologie nicht vertraut sind, einen \u00fcberaus professionellen Eindruck zu hinterlassen. Das ist nat\u00fcrlich beabsichtigt; bewundernde Kommentare (und ggf. dumme Fragen) d\u00fcrfen gerne in grosser Menge gepostet werden. (Korrekturhinweise wie z.B. &#8222;kn\/h &#8211; was soll&#8217;n das? Physik, kennsch?&#8220; hingegen bitte unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit an mich mailen, damit ich den Artikel klammheimlich korrigieren kann, bevor&#8217;s jemand anders auch noch merkt.)<\/p>\n<p>HINWEIS: Keine Ahnung ob der pseudo-lateinische Titel im geringsten korrekt ist. Eigentlich wollte ich ja &#8222;R\u00fcckkehr nach Europa&#8220; schreiben, aber mein Lateinisch ist leider etwas eingerostet.<\/p>\n<p>Item, genug gelabert. Kommen wir endlich zur Sache:<\/p>\n<div style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"Doppelsegel = doppelschnell\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/5857215796\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" \" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3113\/5857215796_b568813ae2.jpg\" alt=\"Doppelsegel = doppelschnell\" width=\"400\" height=\"225\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Genua und Balooner sorgen f\u00fcr Speed<\/p><\/div>\n<p>Ein paar Stunden nachdem wir am Morgen des 11. Juni den Hafen von Ponta Delgada hinter uns gelassen haben, verschwindet S\u00e3o Miguel am Horizont und wir sind erneut nur noch von Wasser umgeben. Der Wetterbericht verheisst guten (Nord-) Westwind f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Tage, danach ist Flaute zu erwarten, weil sich ein nerviges Hoch (der Feind eines jeden Seglers, wenn&#8217;s auf dem Weg liegt) zwischen den Azoren und Portugal eingenistet hat. Die Westwindlage erm\u00f6glicht uns, endlich auch mal ein paar andere Kurse zu fahren als nur am Wind: Zuerst lassen wir die Baligand unter Halbwindkurs und Mysin-Spinnaker mit 8 Knoten \u00fcber die Wellen fetzen (yeah!); als der Wind dann nach West dreht ist ein Vor-dem-Wind-Kurs angesagt; \u00a0wir nehmen den Spi wieder runter und hissen daf\u00fcr den Ballooner, womit wir die bereits grosse Genuafl\u00e4che verdoppeln und mit mehr als 100 m2 Segelfl\u00e4che am Bug (plus Mysin) \u00a0locker die hohe Geschwindigkeit halten k\u00f6nnen und mit Surfen t.w. sogar bis zu 9.5 kn hinkriegen. Die Windst\u00e4rken bleiben dabei mit weniger als 30 kn die ganze Zeit \u00fcber sehr angenehm.<\/p>\n<div style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"Walfisch\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/5857218830\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" \" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2595\/5857218830_cd9c1a4b44.jpg\" alt=\"Walfisch\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Frisch gefangener Bartenwal<\/p><\/div>\n<p>Leider haben wir zu Beginn etwas Kreuzsee (d.h. die Wellen laufen nicht gleich wie der Wind, wodurch das Schiff rollen Rollen geraten kann), so dass sich kurz mein Magen wieder meldet. Allerdings ist das Problem diesmal nach einem Tag W\u00fcrgerei\u00a0vorbei (hey, das reimt sich mit &#8222;Free Ai Wei Wei&#8220;), was mich (und wohl auch den Rest der Crew) enorm freut.<\/p>\n<p>Dann treffen wir auf das angek\u00fcndigte Hoch, doch die Auswirkungen sind nicht so schlimm wie bef\u00fcrchtet: Weil es sich inzwischen\u00a0etwas nach S\u00fcden verschoben hat, k\u00f6nnen wir erst bequem einen Tag l\u00e4nger an dessen n\u00f6rdlichem Rand entlang segeln. Doch danach erwischt es uns doch noch: der Wind f\u00e4llt zusammen und wir m\u00fcssen im Ganzen etwa einen Tag lang (\u00fcber zwei Tage verteilt) den Motor anwerfen. Zwischendurch kommt jedoch immer wieder etwas Wind auf, so dass wir trotz allem hin und wieder die Segel hissen und die Dieselkiste abstellen k\u00f6nnen. Die wirklich idealen Windverh\u00e4ltnisse erlauben uns, st\u00e4ndig mehr oder weniger direkt auf Gibraltar zuzuhalten, so dass wir \u00a0keinerlei Zeit mit Kursabweichungen verlieren! Als wir schliesslich nach etwa 5 Tagen in die N\u00e4he der portugiesischen K\u00fcste kommen, kriegen wir den dort regul\u00e4r vorherrschenden Nordwind und k\u00f6nnen erneut mit r\u00e4umlichem Kurs auf die Meerenge zuhalten.<\/p>\n<div style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"EVROPA!\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/5857220550\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3151\/5857220550_4e25ab108b.jpg\" alt=\"EVROPA!\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Man sieht es kaum, aber am Horizont erscheint tats\u00e4chlich EVROPA.<\/p><\/div>\n<p>Am fr\u00fchen Abend des 17. Juni sehen wir endlich Land, n\u00e4mlich die spanische K\u00fcste. Erst jetzt, obwohl wir schon fast einen Tag lang im <a title=\"Wie w\u00e4r's?\" href=\"http:\/\/www.happyholiday.ch\/1\/spanien\/region\/golf-von-cadiz-01.htm\">Golf von Cadiz<\/a> und damit in der unmittelbaren N\u00e4he von Portugal sind! Dies sagt jedenfalls die Seekarte (wer&#8217;s glaubt), doch konnten wir die K\u00fcste nicht sehen, weil wir zu weit s\u00fcdlich segelten. Man stelle sich vor, wir h\u00e4tten kein GPS und keine Seekarte gehabt, wir w\u00e4ren glatt vorbei gesegelt. Oder vielleicht doch nicht? Denn bereits Stunden\u00a0vor der Sichtung macht sich der Kontinent durch einen intensiven s\u00fcsslichen Geruch bemerkbar, der unsere olfaktorisch unterbesch\u00e4ftigte Nasen mit voller Wucht trifft &#8211; das hatten wir auf den Azoren nicht, wohl weil die Landmasse da zu klein war. \u00dcberhaupt ist das Erlebnis von &#8222;Land in Sicht!&#8220; diesmal f\u00fcr mich viel intensiver als auf den Azoren, obwohl wir diesmal nur gerade eine gute Woche auf hoher See unterwegs waren. Diesmal habe ich unvergleichlich viel st\u00e4rker das Gef\u00fchl, nach Hause zu kommen, auch wenn ich noch nie auf der iberischen Halbinsel war, aber es ist halt Europa! Mein Herz klopft deshalb f\u00fcr einen Augenblick tats\u00e4chlich etwas schneller als normal&#8230;<\/p>\n<p>Schon seit 2 Tagen haben wir den immer intensiver werdenden Schiffsverkehr wahrgenommen. W\u00e4hrend wir vorher h\u00f6chstens alle paar Tage mal einen Frachter gesehen haben, sind es nun mehrere pro Tag (sowohl in W\/E-Richtung wie auch in N\/S Richtung) und im Golf von Cadiz, als wir in die N\u00e4he von Gibraltar kommen, fast einen pro Stunde. Das verheisst eine <a title=\"Der STERN weiss es\" href=\"http:\/\/www.stern.de\/wissen\/mensch\/sex-heisse-nacht-sorgt-fuer-starken-auftritt-554292.html\">heisse Nacht<\/a>, denn bei diesem Verkehr muss die Wache nat\u00fcrlich doppelt aufmerksam sein.<\/p>\n<div style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"Queen Mary und Statist\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/5856668811\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm6.static.flickr.com\/5061\/5856668811_329159ca88.jpg\" alt=\"Queen Mary und Statist\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Queen Mary trifft auf Frachterlein. Erstere erscheint zwar gleich gross, ist aber 3sm (~5km) weiter weg...<\/p><\/div>\n<p>Zum Gl\u00fcck haben wir eine\u00a0<a title=\"Automatisches Dingsbums\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Automatic_Identification_System\">AIS<\/a>-Antenne und eine entsprechende Integration der Daten auf den <a title=\"Marine Software\" href=\"http:\/\/www.maxsea.com\/\">digitalen Seekarten<\/a>. Damit wird das Navigieren und umkurven der Ozeangiganten zum Kinderspiel, weil Position, Geschwindigkeit und Richtung aller kommerziellen Schiffe in der N\u00e4he zur Verf\u00fcgung stehen, und uns die Software genau sagt, ob wir auf Kollisionskurs sind (allerdings gilt das nicht f\u00fcr andere Segler, die m\u00fcssen immer noch von blossem Auge ersp\u00e4ht werden!). So quetschen wir uns also um ca. 1 Uhr morgens durch die Meerenge von Gibraltar, umgeben von zahn-, \u00e4h, zahllosen Schiffen, die bis zu 25x gr\u00f6sser und 4x schneller unterwegs sind als wir. Nat\u00fcrlich sind wir sehr froh um den idealen Wind (nordnordwest), der uns gen\u00fcgend Freiheit zum Ausweichen gibt, ohne dass wir st\u00e4ndig heftige Man\u00f6ver fahren m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Am Mittag des 18. Juni landen wir dann schliesslich in Benalmadena, s\u00fcdlich von Malaga, in der spanischen <a title=\"Juh\u00e9!\" href=\"http:\/\/www.reisedax.de\/pauschalreisen\/hotels\/pauschalreisen_benalmadena_best_benalmadena.php\">Pauschaltouristenh\u00f6lle<\/a>, wo sich das Kapitel &#8222;Crewmitglied benimmt sich daneben&#8220; noch einmal wiederholt (in leichter Variation). Aber das kann ich ja ein andermal erz\u00e4hlen, die Leute beschweren sich eh&#8216; schon \u00fcber den <a title=\"Diskutiere mit!\" href=\"http:\/\/forum.digitalfernsehen.de\/forum\/politik\/66854-kosten-aller-volkswirtschaftlicher-schaeden.html\">volkswirtschaftlichen Schaden<\/a>, den ich mit meinen zu langen Berichten, die zur Arbeitszeit im Postfach landen, anrichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WARNUNG: Dieser Bericht enth\u00e4lt viele grandios klingende Seglerbegriffe und tendiert deshalb dazu, bei Lesern, die mit der Terminologie nicht vertraut sind, einen \u00fcberaus professionellen Eindruck zu hinterlassen. 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