{"id":388,"date":"2011-08-10T13:55:11","date_gmt":"2011-08-10T13:55:11","guid":{"rendered":"http:\/\/goodbye.zaploink.org\/blog\/?p=388"},"modified":"2011-09-10T02:49:31","modified_gmt":"2011-09-10T02:49:31","slug":"wenn-der-enkel-mit-dem-grosi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/goodbye.zaploink.org\/blog\/archive\/388","title":{"rendered":"Wenn der Enkel mit dem Grosi&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Manao ahoana! Ich bin gerade in Madagaskar und habe nichts zu tun und das Internet ist a) gleich um die Ecke und b) schweinebillig, da dachte ich, ich schreibe doch mal wieder ein Brichtli. [Ok, das stimmt inzwischen schon nicht mehr, ich bin in Wirklichkeit schon wieder in Mauritius und kurz davor, nach Seoul zu fliegen, aber Teile dieses Berichtes habe ich tats\u00e4chlich noch in Madagaskar geschrieben, ehrlich!]<\/p>\n<p><strong>Antanarivo und Antsirabe (1. Woche)<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"H\u00e4user in Antanarivo\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/6085288589\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6184\/6085288589_3d24ab23df.jpg\" alt=\"H\u00e4user in Antanarivo\" width=\"300\" height=\"400\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Antanarivo<\/p><\/div>\n<p>Von meiner bevorzugten der Reiseagentur &#8222;Chepps&#8217;n&#8217;Tours&#8220; in weiser Voraussicht bereits vor 3 Wochen gebucht, erwartet mich ein freundlicher Taxifahrer mit einem Namensschild (&#8222;DeVon Guten&#8220;, ich vermutete mal, das ich damit gemeint sei) am Ausgang des Flughafens und f\u00fchrt mich zielsicher durch die Horden von Gep\u00e4cktr\u00e4gern zu seinem Wagen. Das \u00d6ffnen der T\u00fcren braucht nur eine gef\u00fchlte halbe Minute (der automatische Schliessmechanismus ist etwas ausser Rand und Band) und bald schon holpern wir gem\u00fctlich Richtung Hauptstadt, wo ich im fantastischen Hotel &#8222;Moonlight&#8220; (schwer zu empfehlen) ein Zimmer ganz nach meinem Gusto (Bett, Fenster, Safe und sonst nix) beziehe.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Tag bringt freundliches Wetter und damit ideale Bedingungen, um &#8211; frisch gest\u00e4rkt durch tiefen Schlaf bei \u00e4usserst angenehmen Temperaturen (in Madagaskar ist Winter und Antanarivo liegt ca. 1400 M.\u00fc.M. = ca. 10\u00b0C nachts) &#8211; eine erste Entdeckungstour durch die Innenstadt zu starten. Instantan f\u00fchle ich mich an Mittelamerika\/Guatemala erinnert: \u00dcberall St\u00e4nde am Strassenrand, Markt wohin das Auge blickt, Unmengen von zerbeulten und sichtlich alten Autos (was Kuba f\u00fcr die Ami-Schlitten der 50-er Jahre ist, ist Madagaskar pour les <em>bagnoles fran\u00e7aises<\/em> der 70-er und 80-er:\u00a0<a title=\"D\u00f6schwo en Masse\" href=\"http:\/\/www.travel-images.com\/pht\/madagascar428.jpg\">2CV Citro\u00ebn<\/a>,\u00a0<a title=\"Renault 4\" href=\"http:\/\/images.cdn.fotopedia.com\/zGadsZ8AKZ8-9eBvTZWRfuc-hd.jpg\">Renault 4<\/a>\u00a0und uralte\u00a0<a title=\"M\u00f4ssieur P\u00f6\" href=\"http:\/\/www.mada-voyage-nature.com\/images\/stories\/photos\/tat-J1J2J3J4\/P1170412n&amp;b3.jpg\">Peugeots<\/a> \u00e0 gogo). Die H\u00e4user hier sind mehrheitlich mit Ziegelsteinen gebaut, was dem Erscheinungsbild der Stadt Charm verleiht. Entgegen aller Erwartungen sind die Strassen (verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig) sauber und man sieht fast nirgends M\u00fcll herumliegen, was den angenehmen Eindruck nur noch verbessert. Ich bin jedenfalls bald soweit, den urspr\u00fcnglichen Plan von nur einem Tag Aufenthalt \u00fcber Bord zu werfen. Wer immer mir empfohlen hat, so rasch wie m\u00f6glich aus Tana zu verschwinden, war eine N\u00fclpe!<\/p>\n<p>Antanarivo liegt mitten im Hochland von Madagaskar und die Innenstadt liegt auf zwei langezogenen H\u00fcgeln und im dazwischen liegenden Tal. F\u00fcr Fussg\u00e4nger heisst es deshalb oft Treppen steigen. Nach einem mehrst\u00fcndigen Streifzug habe ich schon jede Menge Streetfood konsumiert (frittiertes Dies-und-Das, frisches Yoghurt, Cervelat-Hamburger, Mandarinen, Grillspiessli, etc.) um meinen Magen (und vor allem Darm) gleich mal an die hiesige Kost zu gew\u00f6hnen. Den alten &#8222;boil it, peel it or leave it&#8220; Spruch habe ich bisher noch nie ernst genommen&#8230; (Ok, die Mandarinli habe ich gesch\u00e4lt.)\u00a0Im Zentrum hat es neben dem normalen Markt einen riesigen Gebrauchtb\u00fcchermarkt \u00a0(vom Playboy von 1962 bis zur Bedienungsanleitung von MS\/DOS findet man hier alles, auch deutsche Kindergeschichten, franz\u00f6sische Klassiker und englische Kriegsromane &#8211; fragt sich nur: wer will das lesen?); einen Kinderspielplatz, auf dem die Kleinen auf benzingetriebenen knatternden Miniautos endlos im Kreis rumkurven k\u00f6nnen; und eine Prachtstrasse (Avenue de l&#8217;Independance), die an einem <a title=\"Heutzutage hat's etwas mehr Verkehr davor\" href=\"http:\/\/www.cafetana.com\/wp-content\/gallery\/cafe\/cimg7072.jpg\">Bahnhof ohne Z\u00fcge<\/a> endet und auf der Strassenk\u00fcnstler ihr Programm darbieten und Taschendiebe die <em>Vazahas<\/em>\u00a0(allgemeiner Ausdruck f\u00fcr Weisse) um ihr Portemonnaie und Schmuck erleichten. \u00dcber all dem pr\u00e4gen der <a title=\"Auch auf Deutsch erh\u00e4ltlich (k\u00fcmmerlich)\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Rova_of_Antananarivo\">K\u00f6nigspalast<\/a>\u00a0(Rova), der Palast des (ehemaligen) Premierministers und die Kathedrale das Erscheinungsbild der Stadt.<\/p>\n<div style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"Mamy et Famille\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/6085836336\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6082\/6085836336_02ee2f7b05.jpg\" alt=\"Mamy et Famille\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Mit Kind und Kegel unterwegs<\/p><\/div>\n<p>Als ich mich in einem kleinen Park von den Strapazen des Touristentums erhole, komme ich mit einem Malagasy ins Gespr\u00e4ch. W\u00e4hrend gut einer Stunde unterhalte ich mich mit <em>Mamy\u00a0<\/em>\u00fcber Gott und die Welt, danach bietet er an, mir noch ein wenig die Stadt zu zeigen (er hat praktischerweise grad frei heute &#8211; ist aber trotzdem im Anzug unterwegs). Der zweist\u00fcndige Rundgang endet mit dem Angebot, morgen noch zusammen mit seiner Familie einige Sehensw\u00fcrdigkeiten in Tana zu besuchen, was ich nat\u00fcrlich gerne annehme.<\/p>\n<p>Als ich mich anschliessend auf den R\u00fcckweg zum Hotel mache, werde ich mitten auf der Strasse von einem anderen <em>Vazaha<\/em> angesprochen &#8211; es ist <em>Christophe<\/em>, den ich mit seiner malagassischen Freundin <em>Fanja<\/em> vor 2 Wochen w\u00e4hrend einer Wanderung auf La R\u00e9union kennengelernt habe. Was f\u00fcr ein unglaublicher Zufall (Antanarivo hat 5 Millionen Einwohner)!\u00a0Wir gehen nat\u00fcrlich gleich auf ein <a title=\"La bi\u00e8re de Mada\" href=\"http:\/\/www.star-thb.com\/\">Bierchen<\/a> und sp\u00e4ter st\u00f6sst dann auch noch Fanja dazu und ich kriege schon wieder eine Einladung &#8211; diesmal zu einem malagassischen Quartiersfest, jetzt gleich, heute Abend. Im Bewusstsein, dass man Feste feiern soll, wie sie fallen, sage ich nat\u00fcrlich zu. Wir schnappen uns ein Taxi und fahren zu ihnen nach Hause. Dabei komme ich bereits \u00a0zum zweiten Mal in den Genuss einer l\u00e4ngeren Taxifahrt und stelle fest: 1) Im Tank hat es nie mehr als 1 Liter Sprit. Wenn der Motor ins Stottern kommt oder den Geist aufgibt, weil dieser aufgebraucht ist, dann wird aus einer 1.5 Liter PET-Flasche nachgef\u00fcllt. 2) Wenn&#8217;s abw\u00e4rts geht, dann wird der Motor prinzipiell ausgeschaltet und ausgekuppelt. 3) Tachometer, Kilometeranzeige, Sicherheitsgurte und anderen Schnickschnack brauchen wir nicht, ist deshalb entweder gar nicht vorhanden oder dysfunktional. 4) Durch die L\u00f6cher am Boden kann man Tipptopp den allgemeinen Strassenzustand studieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_430\" style=\"width: 420px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/goodbye.zaploink.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/dressed-up-small.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-430\" class=\"size-full wp-image-430  \" title=\"dressed-up-small\" src=\"http:\/\/goodbye.zaploink.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/dressed-up-small.jpg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"307\" srcset=\"https:\/\/goodbye.zaploink.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/dressed-up-small.jpg 800w, https:\/\/goodbye.zaploink.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/dressed-up-small-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-430\" class=\"wp-caption-text\">Dressed up mit Christophe am Quartiersfest<\/p><\/div>\n<p>Als wir gegen 8 Uhr beim Haus eintreffen, wo das Fest stattfindet, stellen wir gleich fest, dass wir total underdressed sind. W\u00e4hrend man bei uns in legerer Freizeitkleidung an ein Quartiersfest ginge, ziehen die Malagasy nix an, was man nicht auch zur Erstkommunion oder bei einem Staatsdiner tragen k\u00f6nnte. Wir machen noch an der Pforte rechtsum kehrt, und unterziehen uns einem instantanen\u00a0<em>dressup<\/em>. Christophe ist so nett und leiht mir ein Hemd und einen Veston, womit ich sogar einigermassen eine Falle mache (auch wenn er 1.80 m gross und vermutlich 20 kg leichter ist als ich). Im zweiten Anlauf f\u00fchlen wir uns dann nicht mehr so deplaziert. Wir kriegen den Tisch zuvorderst an der Tanzfl\u00e4che und k\u00f6nnen so bestens sehen (und gesehen werden). Der Rest des Abends geht mit Essen, endlosen Reden, Tanz und ein, zwei Fl\u00e4schchen Rum schnell vorbei. Als wir uns um 2 Uhr morgens verabschieden, ist die Party immer noch in vollem Gang! So geht also mein erster Tag in Madagaskar zu Ende&#8230;<\/p>\n<div style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"Pizza @ Le Gastro\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/6085836880\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6206\/6085836880_1151dbcffc.jpg\" alt=\"Pizza @ Le Gastro\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Yeah, 1 Pizza f\u00fcr alle<\/p><\/div>\n<p>Den n\u00e4chsten Tag verbringe ich mit Mamy und seiner Familie in Tana. Wir besuchen verschiedene Sehensw\u00fcrdigkeiten, spazieren quer durch die Altstadt und essen schliesslich auf Wunsch meiner Reisef\u00fchrer in einer Pizzeria. F\u00fcr die Kinder ist es das erste Mal in einem richtigen Restaurant. Als die beiden Eltern die Speisekarte sehen, m\u00fcssen sie leer schlucken, denn die Preise sind leider jenseits des Haushaltsbudgets&#8230; Wir bestellen deshalb\u00a0<em>eine<\/em> 30-cm Pizza (f\u00fcr 6 Personen) und einen Liter Cola. Am Ende kann ich Mamy \u00fcberzeugen, dass er mich wirklich nicht einladen muss; und ich darf die Pizza bezahlen, w\u00e4hrend er die Cola \u00fcbernimmt :-) Sobald wir wieder auf der Strasse stehen, wird anschliessend als erstes ein Brot f\u00fcr die Kinder gekauft, damit diese auch satt werden und nicht zu quengeln anfangen&#8230; Zum Abschluss gibt&#8217;s noch einen Besuch im Zoo, wo ich schon meine erste Ladung Lemuren zu sehen kriege und gleich nach dem Eingang von einem Typen ein echtes Cham\u00e4leon in die Hand gedr\u00fcckt bekomme &#8211; ob ich es wohl kaufen wolle?! Selbstverst\u00e4ndlich kaufe ich das putzige, schon etwas abgewetzte Tierchen. Als ich es zwecks sp\u00e4terer Verspeisung (ich habe nat\u00fcrlich auch noch Hunger, nach der k\u00fcmmerlichen Pizza) in meine Hosentasche stecken will, stelle ich fest, dass es sich nur schlecht zusammenfalten l\u00e4sst und gebe es deshalb wieder zur\u00fcck&#8230;<\/p>\n<p>So vergehen die ersten Tage im Flug und tags drauf mache ich mich bereits mit dem <em>Taxi Brousse<\/em> auf den Weg nach <em>Antsirabe<\/em>. Kaum angekommen, werde ich von ungef\u00e4hr hundert\u00a0<em><a title=\"Man beachte die Querverbindung zur Suisse Romande\" href=\"http:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Pousse-pousse_(Japon)\">Pousse-Pousse<\/a><\/em>\u00a0Fahrern (eigentlich ist wohl <em>Zieher<\/em> die bessere Bezeichnung als <em>Fahrer<\/em>) belagert und bevor ich zweimal Luft holen kann bin ich schon mitsamt meinem Gep\u00e4ck in eine Karre geladen worden und ein schwitzender Malagasy zerrt diese zielstrebig Richtung Innenstadt. Noch bevor wir bei meinem Hotel angekommen sind, wird mir von selbigem Fahrer die Teilnahme an einer <a title=\"Selber schauen, gell\" href=\"http:\/\/www.google.com\/?q=famadihana\"><em>Famadihana<\/em> <\/a>angeboten, und zwar noch heute, in 2 Stunden!<\/p>\n<div style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"Famadihana\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/6085292853\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6069\/6085292853_fd8c7f3820.jpg\" alt=\"Famadihana\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Erstmal ein bisschen mit den Ahnen plaudern...<\/p><\/div>\n<p>Die Famadihana, auch &#8222;Le Retournement des Morts&#8220; genannt, ist ein Brauch, der nur im malagassischen Hochland und nur im Winter vom Stamm der Merina praktiziert wird. Dabei werden die Leichen (oder vielmehr die Knochen) der Ahnen aus ihren Mausoleen herausgeholt, in der Gegend rumgetragen und danach, in neue Seident\u00fccher verpackt, wieder im Grab verstaut. Das ganze ist ein riesiges Fest, und weil Feste teuer kosten, k\u00f6nnen sich das die jeweiligen Familien nur alle 4-7 Jahre leisten. Obwohl nat\u00fcrlich &#8211; \u00fcber&#8217;s ganze Hochland gesehen &#8211; jeden Tag Dutzende dieser Feste stattfinden, ist es doch eine einmalige Chance, als Besucher daran teilzunehmen. Ich sage also ohne zu Z\u00f6gern sofort zu, und nachdem ich meine Sachen im Hotelzimmer verstaut habe, werde ich mit Martial bekannt gemacht, einem lokalen Guide in Antsirabe, dessen Familie heute die Famadihana durchf\u00fchrt und der bereit ist, mich dahin mitzunehmen.<\/p>\n<div style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"Neuverpacken 2\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/6085841894\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6183\/6085841894_d0faba10d3.jpg\" alt=\"Neuverpacken 2\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Grosspapi geht&#39;s gut<\/p><\/div>\n<p>Nach einer halben Stunde Autofahrt erreichen wir sein Dorf, die F\u00eate ist bereits in vollem Gang. Zu Hunderten steigen die Leute den Berg hoch zu den 3 Mausoleen, die heute ge\u00f6ffnet werden sollen. Da Famadihanas aufgrund ihrer Kosten relativ selten stattfinden, ist dies eine Gelegenheit f\u00fcr das ganze Dorf, auf Kosten der durchf\u00fchrenden Familie zu feiern. Es wird ausgiebig Rum konsumiert (das verlangt der Brauch) und die angeheuerten Musikanten spielen sich mit Klarinetten und Trompeten die Seele aus dem Leib. Total werden heute wohl \u00fcber 40 Leichen exhumiert, Martial ist dabei f\u00fcr seinen Grossvater verantwortlich. Zu Beginn der Zeremonie wird vom Dach des Mausoleums ein Dialog mit den Toten gef\u00fchrt, danach wird das Grabmal ge\u00f6ffnet und eine Leiche nach der anderen hinausgetragen. Das Prozedere wird dabei von zahllosen Betrunkenen, die sich am Eingang aufhalten und sich die Seele aus dem Leib schreien, ein klein wenig behindert, ebenso von all den Zuschauern, die von m\u00f6glichst Nahe sehen wollen, wie die eingepackten Leichname das Mausoleum verlassen.\u00a0 Ich darf als einziger Weisser und damit aussergew\u00f6hnlicher Besucher gleich mit aufs Dach steigen und sehe von dort aus alles perfekt. Oft komme ich kaum dazu, der Zeremonie zu folgen, weil mir alle gleichzeitig erkl\u00e4ren wollen, was wie und wo und warum passiert. Bereitwillig machen die Leute Platz und treten zur Seite um mir Fotos der eingepackten Ahnen zu erm\u00f6glichen. Das ganze dauert \u00fcber <a title=\"Alternativprogramm\" href=\"http:\/\/tastaturschreiben-in-3stunden.de\/\">3 Stunden <\/a>und endlich kommt auch Martial mit seinem Grossvater aus der Gruft und ich kann aus n\u00e4chster N\u00e4he betrachten, wie der alte Sack (\u00e4h, die alten T\u00fccher mit den Knochen darin) neu verpackt wird. Die \u00dcberreste des Grossvaters werden dabei mit denjenigen der Grossmutter zusammen in ein neues Tuch eingewickelt, weil diese dies angeblich so gew\u00fcnscht haben. Anschliessend werden die neuen S\u00e4cke (&#8230;) noch einige Male tanzend ums Grab herumgetragen, bevor sie &#8211; gut sichtbar mit den entsprechenden Namen\u00a0angeschrieben &#8211; wieder im entsprechenden Regal der Gruft deponiert werden. Voil\u00e0, fertig. W\u00e4hrend andere noch mit ihren Ahnen besch\u00e4ftigt sind, ist f\u00fcr die Gruppe &#8222;Grosspapi Martial&#8220; das Fest zu Ende. Man trinkt noch einen Rum, schwingt noch ein paar kurze Minuten das Tanzbein, doch dann wird das Mausoleum keines weiteren Blickes mehr gew\u00fcrdigt und man steigt wieder hinunter ins Dorf.<\/p>\n<div style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" title=\"Zur\u00fcck nach Hause\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/6085298619\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6206\/6085298619_b58684dddf.jpg\" alt=\"Zur\u00fcck nach Hause\" width=\"400\" height=\"300\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">...und husch, husch zur\u00fcck ins K\u00f6rbchen!<\/p><\/div>\n<p>Mit dem Auto fahren wir zur\u00fcck nach Antsirabe. Es ist mittlerweile schon dunkel, was vor allem deshalb auff\u00e4llt, weil die Karre kein Licht hat und wir deshalb immer andere Autos, die Licht haben, dichtauf verfolgen (ich hoffe nur, dass meine &#8211; relativ f\u00fcrstliche &#8211; Bezahlung des Fahrers von diesem auch f\u00fcr die Reparatur des Alternators verwendet wird). Den Rest des Abends brauche ich dann daf\u00fcr, die erlebten Eindr\u00fccke ein wenig zu verarbeiten. Es ist echt seltsam, diese v\u00f6llig unbekannte Vertrautheit &#8211; man m\u00f6chte aus unserer Perspektive fast von <em>Respektlosigkeit<\/em> sprechen &#8211; mit dem Tod so hautnah zu erleben. Ich habe heute kein einziges trauriges Gesicht gesehen, was wohl auch daran liegt, dass die Merina eben nicht daran glauben, dass die Toten wirklich tot und weg, sondern immer noch Wesen sind, die Einfluss auf das Leben ihrer Nachkommen nehmen. Dabei schaffen sie es irgendwie, diesen Brauch mit ihrem durchwegs sehr christlichen Glauben unter einen Hut zu bringen. \u00c4h?<\/p>\n<p>Es sind gerade mal 4 Tage seit meiner Ankunft in Madagaskar vergangen! Wenn es mit gleicher Intensit\u00e4t weiter geht, dann kann man mich am Ende meines Aufenthalts wohl in der Pfeife rauchen&#8230; Doch unverzagt organisiere\u00a0tags drauf eine einw\u00f6chige Exkursion an die Westk\u00fcste, die mit 3 Tagen Flussabfahrt auf dem Tsiribinha beginnt und mit dem Besuch der grossen Attraktionen im Westen, der <em>Tsingi von Bemaraha<\/em> und der <em>Avenue des Baobabs<\/em>, endet. Gl\u00fccklicherweise startet die Tour erst in 4 Tagen, so dass ich davor noch gen\u00fcgend Zeit habe, um einen Tag lang die n\u00e4here Umgebung auf dem Velo zu erkunden, in einem heiligen See zu baden und mich danach 2 Tage fiebrig im Bett zu w\u00e4lzen und von den Strapazen zu erholen.<\/p>\n<p>Wie&#8217;s mir auf dem Tsiribinha und unter Baobabs\u00a0ergangen ist, das erfahrt ihr im n\u00e4chsten Bericht. Er wird (vermutlich) k\u00fcrzer!<\/p>\n<p>PS: Wer noch mehr Bilder der Famadihana sehen will, schaut sich die <a title=\"Madagaskar by Chb\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/49084372@N00\/sets\/72157627559972098\">Madagaskar-Gallerie<\/a> auf Flickr an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manao ahoana! Ich bin gerade in Madagaskar und habe nichts zu tun und das Internet ist a) gleich um die Ecke und b) schweinebillig, da dachte ich, ich schreibe doch mal wieder ein Brichtli. 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